Strassenjugendliche
Sol de Primavera konzentriert seine Arbeit auf Jugendliche zwischen neun und achtzehn Jahren. Dies rührt daher, dass es in Quito viele Projekte für jüngere Kinder gibt, jedoch kaum solche für den Übergang ins Erwerbsleben (Ausbildungsprojekte).
DEN Strassenjugendlichen oder DIE Straßenjugendliche gibt es nicht. Vielmehr sind die Lebenswirklichkeiten dieser Jugendlichen von ganz unterschiedlichen Faktoren geprägt. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie einen gewissen Teil ihres Alltags auf der Strasse verbringen, sei es zum Arbeiten, Herumstreunen, Spielen oder auch zum Schlafen. Die Mehrheit der Straßenjugendlichen pflegen sehr wohl Kontakte mit Bezugspersonen aus ihrer Familie. Nur wenige verbringen die kalten Nächte draußen auf der Strasse.
Bei den Jugendlichen im Projekt Sol de Primavera handelt es sich um „jóvenes en riesgo de la calle», um Jugendliche, mit dem hohen Risiko ganz auf der Strasse zu landen. Die familiären Verhältnisse sind sehr instabil und die Kinder leben zwischen Haus und Strasse und werden deshalb auch als «Türschwellenjugendliche» bezeichnet. Die kognitiven, sozialen und motorischen Fähigkeiten sind oft unterentwickelt und viele können kaum lesen, schreiben und rechnen. Es wäre jedoch falsch, diese Türschwellenjugendlichen nur als Opfer zu sehen. In jedem dieser Jugendlichen schlummert nämlich auch ein Potenzial, welches sich zum Beispiel darin zeigt, dass sie häufig den Haushalt führen, auf dem Markt feilschen, erfolgreich Überlebensstrategien entwickeln oder sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Die Jugendlichen sollten deshalb nicht als hoffnungslose Opfre stigmatisiert werden; vielmehr sollten sie ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert und gefordert werden.



